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Der Erinnerungsgang Oldenburg

Schon ab der Reichstagswahl 1933 wurden die Juden in Deutschland massiv diskriminiert. In der Folge mussten viele Juden ihre Berufe aufgeben, darunter Ärzte, Apotheker oder Rechtsanwälte. Durch die Nürnberger Gesetze 1935 wurden die Ehe und allgemein intime Beziehungen zwischen Juden und Deutschen als „Rassenschande“ stigmatisiert und den Juden die deutsche Reichsbürgerschaft entzogen. Es wurde eine „Judenkartei“ eingerichtet, die alle in Deutschland lebenden Juden erfassen und ihre Überwachung ermöglichen sollte.

In der Reichsprogromnacht in der Nacht vom 09. auf den 10. November 1938 wurden in ganz Deutschland Synagogen zerstört, Wohnungen und Geschäfte von Juden verwüstet und jüdische Männer verhaftet. Auch Oldenburg blieb nicht verschont.

Die Synagoge in der Petersstraße stand in Flammen, die Verhaftungswelle gegen die jüdische Bevölkerung war in vollem Gange. Die SA drang in die Oldenburger Wohnungen ein, holte die verängstigten Bewohner aus ihren Häusern und führte sie zum  Marktplatz und auf den Pferdemarkt zur Kaserne.  Dort wurden die Menschen während der Nacht festgehalten und mussten mit ansehen, wie immer mehr Juden auch aus dem Oldenburger Umland hergebracht wurden.

Während die Frauen und Kinder am nächsten Morgen entlassen wurden, wurden 42 Männer unter demütigenden und hetzerischen Rufen von SA-Männern und Schaulustigen zum Gerichtsgefängnis gebracht. Vorbei an den noch rauchenden Ruinen der zerstörten Synagoge hörte man Rufe wie: „ Ihr Judenschweine haltet den Mund!“ und „Schlagt ihnen die Köpfe ab!“

Im Gerichtsgefängnis wurden die Männer in Zellen gesteckt und untersucht. Nachdem der Großteil für gesund erklärt wurde, wurden sie am nächsten Morgen zum Zug gebracht, um ins Konzentrationslager Sachsenhausen abtransportiert zu werden. Im Lager mussten sich die Männer in Reih und Glied aufstellen und 24 Stunden so stehen bleiben. Auf Verletzte oder Kranke wurde keine Rücksicht genommen.

Die Gefangenen mussten sich nackt ausziehen und wurden von den SS-Männern verhöhnt. Anschließend bekamen sie die Lagerkleidung, einen dünnen Pyjama, und ihnen wurden die Haare abgeschnitten, um sie als Häftlinge zu kennzeichnen.

Einige der 42 Männer wurden nach ein paar Wochen entlassen und konnten teilweise sogar fliehen, der Großteil jedoch starb im Konzentrationslager Sachsenhausen. 

In Anlehnung an dieses Ereignis organisiert der „Arbeitskreis Erinnerungsgang“ diesen schon seit 30 Jahren.

1981 gingen zu ersten Mal 30 Personen die Originalstrecke in Oldenburg entlang. Traditionell ist dieser Erinnerungsgang ein Schweigegang in Gedenken an die grausame Tat der Nacht des 09. auf den  10. November 1938.

1988, sieben Jahre nach dem ersten Erinnerungsgang, nahm der damalige Rabbiner Professor Leo Trepp, der 1938 selbst Opfer gewesen ist, am Erinnerungsgang teil. Noch heute wird der Erinnerungsgang von Zeitzeugen des Holocaust unterstützt.

Seit 2005 übernimmt je eine Oldenburger Schule in Zusammenarbeit mit dem „Arbeitskreis Erinnerungsgang“ die Gestaltung des Erinnerungsgangs. Letztes Jahr übergab die Haupt- und Realschule Osternburg die Verantwortung in die Hände der BBS Wechloy, die dieses Jahr von „Laut gegen Nazis“ tatkräftig in der Durchführung einerseits des Erinnerungsganges, andererseits eines begleitenden Großprojektes unterstützt wird.

 

Weitere Hintergründe zum Oldenburger "Erinnerungsgang" auf der Homepage des "Arbeitskreis" Erinnerungsgang - www.erinnerungsgang.de

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